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Unternehmensfinanzierungen ohne Banken über den Kapitalmarkt mit Private Placements oder mit einem Börsengang. Beteiligungsorientierte Finanzierungen anstatt Kreditfinanzierungen, die in die Verschuldung führen.

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Tennet TSO GmbH mit Bürgeranleihe begeht nach Dr. Horst Werner zur regional begrenzten Privatplatzierung einen neuartigen Platzierungsweg für die Stromnetz-Anleihe zum Ausbau von Stromtrassen


Die Fa. Tennet TSO GmbH emittiert für ein örtlich begrenztes Private Placement eine Stromnetz-Anleihe zum Ausbau von norddeutschen Überlandleitungen. Aussergewöhnlich daran ist nach Dr. Horst Werner die von Tennet vorgesehene, räumlich beschränkte Direktplatzierung über ein Postmailing nur an unmittelbar von dem Überlandstromnetz betroffene Bürger, die in einer bestimmten festgelegten Entfernung entlang der Stromtrasse wohnen. Offenbar möchte man auf diese Weise auch die Gegner einer überirdischen Stromtrasse durch das Angebot "Stromnetz-Zinsen statt Sparbuch-Zinsen" gewinnen. Damit ähnelt der Platzierungweg den in manchen Gemeinden zur dezentralen Strom-, Gas- oder Wämreversorgung gegründeten "Bürger-Fonds", die über gemeindliche Bürgerversammlungen demokratisch gegründet und platziert wurden. Auch hier wurden in einer "Umarmungsstrategie" vor Ort "Bürgerdialoge" durchgeführt und Realisierungsabmachungen mit den betroffenen Landkreisen vereinbart.

Der Unterschied der sogenannten "Bürger Anleihe" zu den "Bürgerfonds" liegt aber zum einen darin, dass die Finanzieurngs- und Projektinitiative nicht von den Bürgern selbst ausgeht, sondern von einem europäischen Großkonzern von aussen in die in zwei Landkreisen ansässigen Gemeinden hineingetragen wurde. Projekt und Anleihe sind anders als bei den Bürgerfonds fremdbestimmt. Zum anderen handelt es sich beim "Bürger-Anleihe-Konstrukt" nicht um einen Bürgerfonds mit Eigentumsvergemeinschaftung durch KG-Anteile, sondern um eine wertpapierverbriefte "Darlehens-Festverzinsungs"-Fremdfinanzierung auf Zeit ohne Einflussrechte der betroffenen Bürger. Ob das Prinzip - wie bei den "Bürgerfonds" - auch bei den "Bürgeranleihen" gelingt und ob die Anleihe von den einheimischen Bürgern angenommen wird, bleibt abzuwarten.

Die Fa. Tennet TSO GmbH in Deutschland ( ca. 750 Mitarbeiter ) ist eineTochtergesellschaft des niederländischen, europaweit tätigen Netzbetreiber-Konzerns Tennet und ist aus der Netzausgliederung von der E.ON AG hervorgegangen. Das Stromübertragungsnetz der Tennet TSO deckt in Deutschland etwa ein Drittel der Fläche ab. Der Konzern betreibt insgesamt ca. 20.000 km Hochspannungsleitungen und hat 36 Millionen Endverbraucher. Das Unternehmen in Deutschland begibt die Schuldverschreibungen als "Bürger-Anleihe" zum Ausbau des Stromnetzes in West-Schleswig-Holstein für den Transport norddeutschen Windstroms in die südlichen Teile der Bundesrepublik. Es ist damit ein bundespolitisch gewolltes und für die Energiewende in Deutschland notwendiges Infrastrukturprojekt, um gerade auch Offshore-Windenergie aus der Nordsee nach Süddeutschland zu leiten. „
Schleswig-Holstein nimmt mit seinen windreichen Küstenregionen eine besondere Stellung beim Umbau der Energieversorgung in Deutschland ein. Bis 2020 werden rund acht bis zehn Prozent des deutschen Strombedarfs aus Schleswig-Holstein gedeckt werden“, so eine Verlautbarung der Fa. Tennet.

Die Anleihe wird als sogen. Bürger-Anleihe in denjenigen Landkreisen platziert, durch die die Fa. Tennet TSO GmbH die Stromtrasse bauen will. Das Volumen der Bürgeranleihe "Westküstenleitung" wird maximal 15 Prozent des gesamten Investitionsvolumens für die Leitung betragen. "Gebietsansässige und Grundstückseigentümer aus den Landkreisen Nordfriesland und Dithmarschen können die Anleihe zeichnen und sich bereits mit einer geringen Mindesteinlage von nur Euro 1.000,- beteiligen", teilt Tennet TSO GmbH auf ihrer Homepage mit.

 

Die Tennet "Bürger Anleihe" zur Kapitalaufnahme wird von Dr. Horst Werner als Beispiel für ein Crowdfunding oder beser für ein regional begrenztes Crowd-Placement angesehen. So begibt der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet über seine deutsche Tochtergesellschaft mit Sitz in Bayreuth die Bürgeranleihe zum Strom-Netzausbau in Schleswig-Holstein ab Euro 1.000,- Mindestbeteiligung. Die Bürger Anleihe wird einen Zinskoupon von 5 % p.a. haben. Die vorgesehene Anleihe ist ein aktuelles Beispiel für modernes Crowdfunding, das im "Business funding" ( im Gegensatz zum nichtkommerziellen Bereich ) als Crowdinvesting von Kleinanlegern zwecks Bürgerbeteiligung umschrieben wird. Die Tennet-Anleihe ist praktisch von jedem Bürger unabhängig von seiner Vermögenssituation zu erwerben und somit eine klassische breit gestreute Privatplatzierung, die wegen der vorgesehenen Mini-Beteiligungen unter Crowdfunding ( Mengenbeteiligung ) einzuordnen ist.

Crowd ist die Menge / Masse und "Funding" ist die Kapitalaufnahme bzw. das Geldeinsammeln an den Beteiligungsmärkten ( siehe ausführlich www.finanzierung-ohne-bank.de  ). Die Fa. Tennet ist der "Crowdfunder". Die sich beteiligenden Bürger sind dann die "Crowdinvestoren". Tennet will der Bevölkerung im westlichen Schleswig-Holstein die Anleihe ab Juni 2013 anbieten. Mit dem Anleihekapital will Tennet in die Westküstenleitung investieren und über die regionale Platzierung die einheimischen Bürger finanziell an den Erlösen des deutschen Stromnetzausbaus beteiligen. “Sobald der Ausbau der Stromtrasse beginnt, wird den Anlegern ein attraktiver Zins von fünf Prozent gezahlt”, verlautet es aus dem Unternehmen Tennet. Bis zum Baubeginn soll es dagegen lediglich 3 % p.a. geben.

   

Es findet eine Privatplatzierung statt nach dem Motto: Die Masse der Kapitalanleger macht´s. Crowdfunding ist keine Form der Finanzierung, sondern eine spezielle Form des Private Placements. Es wird auf eine sehr breite Streuung der angebotenen Beteiligungen geachtet und eben bei Tennet vielen kleinen Kapitalgebern die Möglichkeit der Teilnahme geboten. Damit versucht Tennet über seine Anleihe die Bürger in den teilweise umstrittenen Stromnetz-Ausbau einzubinden. Die Höhe der Bürgerbeteiligung soll maximal 15 Prozent des gesamten Investitionsvolumens für die Stromleitung betragen. Wird das Pilotprojekt der Bürgeranleihe ein Erfolg, könnte sich dieser Crowdfunding-Weg über eine kleinteilige Bürger-Anleihe auch rasch in den übrigen Regionen der anderen deutschen Stromnetzbetreiber durchsetzen.
 

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