Unternehmensfinanzierungen ohne Banken über den Kapitalmarkt mit Private Placements oder mit einem Börsengang. Beteiligungsorientierte Finanzierungen anstatt Kreditfinanzierungen, die in die Verschuldung führen.
Finanz- , Wertpapier- und Kapitalmarkthändler nutzen nach Dr. Horst Werner die Irrungen und den Zauber von anglizistischen Finanzbegriffen nicht selten missbräuchlich. Insbesondere Finanzjongleure, Börsenzocker und Finanzhaie leben manchmal von der Vernebelung, der Magie und dem Hype (als künstlichem Aufbauschen und Stimulieren) von schlau klingenden, aber unverständlichen Fremdworten, die nur Worthülsen wie eine hübsch anzusehende Produkt-Verpackung darstellen. Wer kennt nicht die Wortverklausulierungen CFD-Markets, Forex-Trading, Venture Capital, Equity Captial, Mezzaninekapital, und jetzt Crowdfunding und Crowdinvesting. Und Beteiligte "outen sich als "Crowdinvestoren". Alles nichtssagende, schlau klingende Modebegriffe, die aber als sagenumwobene Fremdwörter mit dem Geruch des absolut NEUEN einen Hype an den Märkten um Finanzprodukte ausgelöst haben, die es aber im Kerngehalt mit offenbar langweiligen deutschen Wortbezeichnungen teilweise bereits seit Jahrhunderten in Deutschland gibt.
Niemanden haben z.B. stille Beteiliungen oder Genussrechte ( Erläuterungen auf www.finanzierung-ohne-bank.de ) - eben das klassische "Mezzaninekapital" - unter den deutschen Begriffen interessiert. Als aber vor gut zehn Jahren der Begriff "Mezzaninekapital" und "Mezzaninefinanzierung" auftauchte, gab es von den Banken gleich bis zu 30 neu gegründete "Mezzaninefonds". Die Wirtschafts- und Börsenpresse stand Kopf. Keiner schrieb, dass das nichts anderes als ganz alter Wein in neuen Schläuchen war. Die strukturierten Mezzaninefonds sind dann als pure Modeerscheinung ebenso schnell vom Kapitalmarkt wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Die Fondsinvestoren waren aus aller Welt bis hin nach Japan gekommen. Selbst die Japaner waren von den deutschen "Mezzaninefonds" angezogen.
Der Autor dieses Beitrages wurde sogar 2004 aus der Finanzabteilung des VW-Konzerns angerufen, mit der Bitte doch zu erklären, was denn "Mezzaninekapital" sei. Und vor über einem Jahr hatte das Handelsblatt in einer Steuerberater-Umfrage festgestellt, dass zwar 95 % der Steuerberater den Begriff "Mezzaninekapital" kennen, aber nur 10% der Steuerberater überhaupt wissen, was denn das ist. Im übrigen gibt es keine Bilanzposition "Mezzaninekapital", sondern nur die Passivpositionen "gezeichnetes stilles Gesellschaftskapital" oder "gezeichnetes Genussrechtskapital". Und diese Kapitalformen gibt es urkundlich nachweisbar in Deutschland schon seit dem 13. Jahrhundert.
Oder der Hype um "Venture Capital": Venture-Capital kann alles an Kapital-Beteiligungsrechtsformen sein: Grundkapital, Stammkapital, KG-Kapital, stilles Kapital etc. Venture Capital ist alles und nichts - eben ein gut klingender Fremdwort-Müll. Investitionskapital wollen die Unternehmer nicht; nein, sie wollen "Venture Capital". Damit ist es wie mit Parfum; erst wenn die Marke des Parfüms französisch klingt, die Verpackung bunt, modern und doppelt so groß ist wie Flasche darin und draußen groß "Produced in PARIS" oder "Made in France" draufsteht, dann wird es gekauft. Oder der Begriff "Equity Capital" löste ebenfalls eine magische Anziehungskraft und einen Finanzmarkt-Hype aus. Dabei heißt das nicht anderes als "Eigenkapital". Aber Eigenkapital als wichtigste Bilanzposition für Bonität und Rating hat den deutschen Mittelständler meist nicht interessiert, bis er nun durch Basel III dazu gezwungen wird. Beim finanz-naiven Unternehmer glänzen aber die Augen, wenn man von "Equity-Capital" spricht.
Der neueste Hype ist das "Crowdfunding". Auch so ein alter Hut ! Crowdfunding ( im Finanzbereich ) bedeutet nichts anderes als die breit gestreute Platzierung von Beteiligungsangeboten unter Kleinanlegern ( Schwarmfinanzierung = mit dem Online-Netz einen Schwarm "kleiner Fische" fangen ). Und der Kleinanleger betreibt das "Crowdinvesting"; er ist dann nicht Kleinanleger; nein, er ist Crowdinvestor ! Seit 2010 haben sich bereits über 30 Crowdfunding-Plattformen im Internet mit viel Medien-Aufmerksamkeit gegründet. Selbst die seriöse, bundesdeutsche Presse ( FAZ, Spiegel, Welt, Süddeutsche Zeitung, Die ZEIT etc. ) sind alle auf den Modebegriff hereingefallen und haben mit Bewunderung von der "total neuen Idee" aus Amerika berichtet. Nein, alles ist ein alter Hut ! Im Internet gibt es bereits seit Ende der 90-iger Jahre Finanzportale mit kleinteiligen Beteiligungsangeboten für Kleinstfinanzierer (Crowdinvestoren)! Aber jetzt heißt die neue Mode-Verpackung "Crowdfunding" und alle finden das ganz bewundernswert. Das Sterben der Crowdfunding-Plattformen wird genauso schnell einsetzen, wie deren massenhafte Gründungen. Das wirtschaftliche Betreiben eines Beteiligungsportals ( siehe das älteste "Crowdfunding-Portal" in Deutschland www.anleger-beteiligungen.de ) setzt viel Markterfahrung und realistischen kaufmännischen Sachverstand voraus. Allein mit Kleinstbeteiligungen läßt sich ein solches Portal niemals wirtschaftlich betreiben. Und Unternehmer, die nur Kleinstbeteiligungen von Euro 250,- - wie angeboten - bekommen, ersticken unter der Kostenlast des Verwaltungsaufwandes. Im übrigen ist bei Kleinstbeteiligungen das Verhältnis von Finanzmarketingaufwand, Vertriebsprovisionen und Beteiligungs-Emissionserlös so ungünstig, dass das eingeworbene Kapital viel zu teuer wird.
Und dennoch: viele laufen der Magie von Fremdwörtern gerade am Finanzmarkt hinterher: CFD-Markets, Warrants, Covered Bonds, Trading, Asset Backed Securities ABS, Junk-Bonds, Subprime Lending, Equity-Mezzanine, Swaps, Asset-Deals, etc., etc., etc.. Und wer dann auch noch als Finanzberater so redet, gilt als ganz besonders intelligent: Alles nur (Verpackungs-)Blöff !