Unternehmensfinanzierungen ohne Banken über den Kapitalmarkt mit Private Placements oder mit einem Börsengang. Beteiligungsorientierte Finanzierungen anstatt Kreditfinanzierungen, die in die Verschuldung führen.
Wer eine Unternehmensfinanzierung erfolgreich durchführen möchte, muss gewisse Grundsätze und Regeln beachten, die sich an den Realitäten der Finanzierungspartner bzw. der Banken zu orientieren haben. In jedem Falle ist ein gute Vorbereitung auf die Unternehmensfinanzierungs-Gespräche erforderlich, damit Erfolgsaussichten eröffnet werden. Mit der richtigen Herangehensweise werden bei der geplanten Unternehmensfinanzierung Enttäuschungen und verlorene Zeit ( = Kosten ) vermieden.
1. Beschreite mehrere Finanzierungswege nach dem Grundsatz „Viele Wege führen nach Rom“
Wenn man sich nur an einen Finanzierungspartner wendet, kann es aus unvorhersehbaren Gründen nach Monaten der Finanzierungsverhandlungen zu einer Absage kommen. Hat der Kapitalsuchende keine zweite Finanzierungsschiene parallel erkundet, steht er langwierigem Warten unvorhergesehen vor einem negativen Ergebnis und muss mit seinem Finanzierungsbemühen wieder ganz von vorn anfangen. Auf diese Weise haben schon viele Unternehmer nutzlos viel Zeit verloren.
2. Ohne Eigenkapital keine Kreditfinanzierung – Vorbereitung auf einen angemessenen Eigenkapital-Anteil
Die Höhe des vorhandenen Eigenkapitals hat gemäß Basel III bei den Kreditinstituten eine entscheidende Bedeutung für eine erfolgreiche Finanzierungszusage. Eigenkapital dient als Haftkapital in schwierigen Zeiten ( z.B. Umsatzeinbrüche, Forderungsausfälle etc. ) als Liquiditätsausgleich und muss heute in einem angemessen Verhältnis zur gesamten Investitionsfinanzierung eingesetzt werden. Das Eigenkapital setzt sich aus den Einzahlungen der Gesellschafter, aus den Kapitalrücklagen und dem Gewinnvortrag sowie Beteiligungsgeldern von Dritten zusammen. Innerhalb eines Bereiches von bis zu 20% Eigenkapital an einer Finanzierungsmaßnahme sind nur wenige Banken kreditbereit. Zur Erzielung einer angemessenen Eigenkapitalquote können oftmals unkompliziert Bilanzoptimierungen vorgenommen werden, die die Finanzierungschancen deutlich verbessern. Es sollten gegebenenfalls noch kurzfristig über Beteiligungsgelder aus dem "Family-and-Friends"-Bereich Eigenkapitalerhöhungen z.B. mit stillem Beteiliggungen versucht werden.
Über 20 % Eigenkapitalquote ( = Eigenkapital im Verhältnis zu Bilanzsumme ) beginnt der realistische Chancenbereich der Unternehmensfinanzierungen, wobei es zusätzlich für den Finanzierungspartner erforderlich ist, die Besicherungsfähigkeit der Investition zu verifizieren.
3. Nutze parallele Chancen der vollkommen bankenunabhängigen Unternehmensfinanzierung
Unternehmensfinanzierungen sind nicht nur über Banken möglich. Es bestehen auch Möglichkeiten, bankenfrei über Anleger, Business-Angel, Privatinvestoren und sonstige Risiko-Kapitalgeber eine Finanzierung darstellen zu können. Selbst wenn die Investorengelder für die Gesamtfinanzierung nicht ausreichen, sind sie doch hilfreich, da das Investorenkapital im Rahmen einer ergänzenden Bankenfinanzierung als „wirtschaftliches Eigenkapital“ oder gar „bilanzrechtliches Eigenkapital“ Anerkennung findet. Alternative Finanzierungswege und alternative Finanzierungsformen erhöhen beträchtlich die Chancen für den Gesamt-Finanzierungserfolg.
4. Bonität und Rating des Unternehmens einschätzen
Die Rating-Einstufung ist ein bedeutsamer Entscheidungsfaktor bei den Refinanzierungsmöglichkeiten. Eine schlechtere Bonitätseinschätzung durch das Kreditinstitut kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich die Investition nicht rechnet und dem Finanzierungs-Antragsteller die Kapitaldienstfähigkeit mit der Bedienung von Zins und Tilgung abgesprochen wird.
Bei ungenügender Bonität kann der Finanzierungsprozess bereits am Anfang scheitern, da keine Finanzierung durch Dritte möglich sein wird. Es ist daher für Unternehmer jederzeit wichtig, ihr Rating zu verbessern.
5. Welcher Kapitalbedarf ist für die Investition erforderlich
Der Kapitalbedarf für den Investitionsgegenstand ist einschlielich der Nebenkosten zu beziffern und darzulegen, daß mit der Investition entsprechender Umsatz und Ertrag zu erzielen ist oder das ohne die Investition höhere Kosten ( z.B. Mietaufwendungen, externe Produktionskosten etc. ) im Unternehmen entstehen würden.
6. Sind besicherungsfähige Wirtschaftsgüter oder andere Sicherheiten vorhanden
Mit Sicherheiten sind sowohl Realsicherheiten als auch Personalsicherheiten ( = Bürgschaften ) angesprochen.Es sind insbesondere diejenigen Vermögenswerte als Sicherheiten von Bedeutung, die aus der Investition des Kapitalbedarfs resultieren und solche, die zusätzlich zur Verfügung stehen. Hierzu zählen unter anderem auch frei verfügbare Vermögenswerte des Unternehmens sowie Haus und Grundbesitz der Gesellschafter mit ergänzender Grundschuldbesicherung.
Handelt es sich bei der Investitionsfinanzierung um nicht besicherungsfähige Maßnahmen ( z.B. Marketingkosten zur Produkteinführung oder nicht marktgängige Sonderanfertigungen ) erschwert dies den Finanzierungserfolg, wenn nicht anderweitig eine Besicherung erfolgen kann.
7. Zur Wahl der Fristen der Kapitalbindung
Die Fristen der geplanten Finanzierungen sollten sich auf die maximale Nutzungsdauer der Wirtschaftsgüter beziehen. Anhaltspunkt dafür kann die steuerliche Abschreibungsfrist oder die übliche Wertverzehrs-Dauer eines Gegenstandes sein. Zu beachten ist, dass in einem Unternehmen die Langlebigkeit von Wirtschaftsgütern sehr unterschiedlich sind. Als Regeln gelten:
- bis zu einem Jahr: das handelbare Umlaufvermögen ( mobile Produkte und Waren )
- bis zu 5 Jahren: z.B. mittelfristiges Anlagevermögen wie Computer- und IT-Gegenstände
- bis zu 10 Jahren: z.B. Maschinen
- bis zu 15 Jahren: z.B. Produktions- und Industriegebäude
- bis zu 25 Jahren: Bürogebäude, Wohn- und Geschäftshäuser
Die vorgesehene Dauer der Kapitalbindung hat erheblichen Einfluss auf die Finanzierungsfähigkeit und ist parallel zum Lebenszyklus bzw. zur Abschreibungsdauer der Investition festzulegen..
8. Die zeitliche Dimension der Kapitalbeschaffung beachten
Der Unternehmer hat in der Regel eine Zeitvorstellung, in der das Kapital beschafft und investiert werden soll. Grundsätzlich gilt: Je kürzer der Planungs- und Beschaffungszeitraum für Kapital, desto ungünstiger und schwieriger kann sich der Finanzierungsprozess gestalten. Kapital läßt sich nicht innerhalb von wenigen Wochen beschaffen, da der Finanzierungspartner Zeit für Prüfung und Entscheidungsprozeduren benötigt.
9. Die Finanzierungsregel zur Fristenkongruenz bei der Lebensdauer von Wirtschaftsgütern
Die zeitkongruente Finanzierungsregel fordert, dass die Dauer von Finanzierung und Tilgung im Vermögen mit dem Wertverzehr des Wirtschaftsgutes einhergehen sollte. Langfristig existierendes Vermögen kann durch langfristiges Kapital, kurzfristig gebundenes Vermögen durch kurzfristiges Kapital finanziert sein.
10. Fördergelder, KfW-Darlehen, verlorene Zuschüsse, Länderbürgschaften beantragen
Günstig finanzieren bedeutet ergänzend Fördergelder, Subventionen und staatliche Bürgschaften nutzen! Unternehmen haben die Wahl aus nicht rückzahlbaren Subventionen, Förderdarlehen über die KfW Bank , Landesbürgschaften und Beteiligungskapital der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften ( sogen. MBG´s ), welche ergänzend in eine strukturierte Finanzierung eingebaut werden können. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen für verschiedene Zwecke, die teilweise auch kombiniert werden können. Entscheidend sind die richtige Auswahl und die korrekte Beantragung. Auskünfte dazu erteilen die Wirtschaftsministerien der Länder und des Bundes..
11. Offene Aufbereitung von Zahlen, Daten und Fakten des Unternehmens
Die Aufbereitung der Finanzierungsunterlagen und das Reporting gegenüber Investoren, Beteiligungsgesellschaften und Kreditinstituten hat besondere Bedeutung und ist ein wesentlicher Vertrauensfaktor für den Erfolg von Finanzierungen. Alle Finanzierungspartner prüfen heutzutage verstärkt unter Sicherheitsaspekten, sodass die Anforderungen an die kompetente Zahlenaufbereitung bei Finanzierungsbegehren erheblich gestiegen sind. Neben der Sichtung der Zahlen aus der Vergangenheit und einer Bewertung der wesentlichen Bilanzkennzahlen ist eine operative und mittelfristige Businessplanung empfehlenswert, in der die Umsatz- und Ertragsperspektiven aufgezeigt werden. Die Präsentation von realistischen Zukunftseinschätzungen erhöht das Vertrauen in den Finanzierungs-Antragssteller und dessen Fähigkeit, Zukunftsaussichten und Marktentwicklungen objektiv einzuschätzen. Somit erhöhen sachkundige, marktorientierte Planbilanzen die Transparenz und sind die optimale Grundlage für das Vertrauen der Bank oder eines sonstigen Finanzierungspartners.
12. Hausbank-Abhängigkeit durch mehrere Bankverbindungen vermeiden
Aus der Erfahrung kann Dr. Horst Siegfried Werner ( www.finanzierung-ohne-bank.de ) berichten, dass Unternehmen in der Regel Geschäftsbeziehungen zu mehreren Bankpartnern pflegen sollten. Die Geschäftsausrichtung der sogen. Hausbank kann sich mit unangenehmen Folgen für das Unternehmen ändern oder die KK-Linie gekündigt werden. Die berühmte Falle der Bankenabhängigkeit sollte nicht zuschnappen dürfen. Bei einer eindimensionalen Kreditbank-Ausrichtung ist ohne weitere Bankverbindungen bei neuen Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens guter Rat teuer. Der Aufbau einer neuen Banken-Finanzierungsschiene kostet Zeit und bedarf grundsätzlich zunächst des Aufbaus gegenseitigen Vertrauens.