Unternehmensfinanzierungen ohne Banken über den Kapitalmarkt mit Private Placements oder mit einem Börsengang. Beteiligungsorientierte Finanzierungen anstatt Kreditfinanzierungen, die in die Verschuldung führen.
Die Kapitalkosten für Bonds bzw. Anleihen bewegen sich nach Auskunft von Dr. Horst Siegfried Werner derzeit auf einem sehr günstigen Zinsniveau. Nur die spanische Regierung und die Italiener sowie die öffentlichen Kapitalmarktakteure beklagen die angeblich "ach so hohen" Anleihezinsen für südeuropäische Staatsanleihen. In Spanien heißt es: Mehr als 5 % p.a. könne Spanien nicht tragen ! Die Anleiheemission der Spanier von Anfang Juni 2012 rentiert mit 6,04 %p.a. Das Jammern der Spanier verwundert ausserordentlich ! Die Regierungen haben offenbar vollkommen realitätsfern gewirtschaftet und träumen immer noch fern von jeglicher Realität von illusionsbehafteten Niedrigzinsen. Die Anleihezinsen ( interest rates ) bewegen sich im Blickwinkel der letzten Jahrzehnte auf einem äußerst niedrigen, bezahlbaren Zinsniveau. Die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft Frankreich kam anders als Spanien zu günstigeren Bedingungen als zuletzt an frische Staatsgelder. Insgesamt nahm Frankreich am 7. Juni 2012 fast 8 Milliarden Euro auf. Die französischen Bonds waren zweifach überzeichnet. Der größte Teil in Höhe von Euro 3,48 Mrd. entfiel auf eine 10-Jahres-Anleihe. Die Rendite lag hier bei 2,45 %. Sie war niedriger als bei der letzten Emission Anfang Mai (2,96 Prozent).
Bonds bzw. Anleihen können von Staaten ( Staatsanleihen ) und von privaten Unternehmen ( Industrie- oder Unternehmensanleihen ) an den Kapitalmärkten zur bankenunabhängigen Finanzierung ausgegeben werden ( siehe www.finanzierung-ohne-bank.de ). Das Anleihekapital dient den öffentlichen Haushalten und Unternehmen zur Finanzierung ihrer Ausgaben bzw. Investitionen. Die Schuldverschreibungen ( = Anleihen ) sind eine Alternative zur Aufnahme von Bankkrediten. Die für die Anleihe zu zahlenden Zinsen als Kapitalkosten sind abhängig von der Bonität der Emittenten und den aktuellen Marktverhältnissen am Anleihemarkt. Die Zinsen sind umso niedriger, je höher die Bonität des Emittenten eingeschätzt wird. Bei hervorragendem Rating ist auch das Anleiherisiko der Investoren entsprechend reduziert. Deutschland mit einem Triple-A Rating zahlt derzeit um die 1,5 % Zinsen p.a. Bei hohem Risiko ( Ausfallmöglichkeit von Zinszahlungen oder bei Bestehen eines Kapital-Rückzahlungsrisikos ) bekommen die Investoren einen Risikoaufschlag in Form von über dem Marktniveau liegenden Zinsen. Spanien wird derzeit mit BBB als einem minderen Investmentgrade geratet. Also muß Spanien am Anleihemarkt höhere Zinsen zahlen. Für Junk-Bonds ( = Ramschanleihen mit einem CCC-Rating ) werden regelmäßig die höchsten Zinsen ( weit über 10 % p.a. ) am Bondsmarkt gezahlt.
Zwei Argumente zu den Zinsbeschwerden und den Klagen der Südeuropäer:
Erstens: Der Bund und die Länder in Deutschland und auch das übrige Europa hatten in den siebziger und achtziger Jahren öffentliche Anleihen mit 7% und 8 % Nominalzins begeben, was für Fremdkapital durchaus im langfristigen Mittel eine normale Zinshöhe darstellt, für die die öffentlichen Haushalte vorsorgen müssen. Wer schon - wie Spanien - über absolute Niedrigzinsen "weint" und sich über 6 % "beschwert", kennt offenbar die langfristigen Durchschnitts-Realitäten an den Bondsmärkten bzw. Anleihemärkten nicht.
Zweitens: Was sollen denn die Mittelständler und die Unternehmer sagen, denen die Banken in dieser Niedrigzinsphase für Betriebsmittelkredite bis zu 14 % Zinsen abverlangen und die mit ihrem Unternehmen diese Kapitalkosten auch an den Märkten erst einmal verdienen müssen ? Das durchschnittliche Zinsniveau bei Girokonten liegt Anfang Juni 2012 bei 11,3 % ( siehe FAZ Zinsindikator ). Gehen Sie einmal zu Ihrer Bank und beschweren sich über 6% KK-Zinsen; da würde man Ihnen den "Vogel" zeigen. Spanien aber jammert heute ( 07. Juni 2012 ) über 6,04 % für 10-jährige Anleihen. Auch die südeuropäischen Staaten leben mit ihren Anleihen zur Zeit in einem "Zins-Schlaraffenland" und nicht einmal das können sie bezahlen: Arme staatliche Haushalte der Südeuropäer ! Arme misswirtschaftende Politiker ! Müssten die einmal ein Unternehmen führen, wären sie in wenigen Wochen pleite.