Unternehmensfinanzierungen ohne Banken über den Kapitalmarkt mit Private Placements oder mit einem Börsengang. Beteiligungsorientierte Finanzierungen anstatt Kreditfinanzierungen, die in die Verschuldung führen.
Das deutsche Wirtschafts- und Finanzsystem hat – so behauptet es der Wirtschafts- und Steuerrechtler Dr. Horst Siegfried Werner, Göttingen - einen für die Zukunft der nachhaltigen Staatsfinanzierung und der privaten Kapitalversorgung erforderlichen Reformbedarf. Insbesondere dann, wenn sich die Welt um Deutschland herum radikal wandelt, sind auch einschneidendere Systemveränderungen in Anpassung an die zukünftigen Realitäten unumgänglich. Bisher fehlen überzeugende Antworten auf das umfassende Problem der zukünftigen Kapitalversorgung von Staat, Unternehmen und Bürgern:
(1) Der Staat behilft sich bei der Deckung seines Kapitalbedarfs seit Jahrzehnten über den Weg der ständigen Neuverschuldung und dem Verstecken von finanziellen Verpflichtungen in zahlreichen ausgegliederten Schattenhaushalten und Schattentöpfen ( Bad-Boxes ). Zudem tauchen zukünftige (Pensions-)Verpflichtungen des Staates in keiner volkswirtschaftlichen Bilanz als Rückstellungen auf. Damit beruht die Kapitalversorgung des Staates nur auf Kredit-Drogen, die unweigerlich zum Kollaps führen werden. Wie ein solcher Kollaps abläuft, kann jeder abends in den Nachrichten an den Lehr-Beispielen von Griechenland und Portugal sehen. Diese Staaten haben jedoch den großen Vorteil, dass „weiße Ritter“ ( ESM-Rettungsschirme ) zur Seite springen können. Deutschland dagegen kann international niemand bei der Kapitalversorgung helfen.
(2) Die Kapitalversorgung der mittelständischen Unternehmen als das Rückgrad der deutschen Wirtschaft und damit als die Träger des deutschen Sozial- und Steuereinkommens-Systems leiden unter einer kränkelnden, oligopolgeschützten, zinspreisüberteuerten Bankenwelt. Ein KWG-geschütztes Bankensystem, das über das internationale Investmentbanking und den Casino-Kapitalismus jeden Bezug zur Realwirtschaft verloren hat und auch mit den regionalen Banken nur noch als Abzocker-Branche ( z.B. sittenwidrig überteuerte Dispo-Zinsen und KK-Zinsen von bis zu 18 % ) im Volksbewusstsein registriert wird, kann zukünftigen bezahlbaren Kapitalversorungs-Erfordernissen nicht genügen.
(3) Die Bürger als abhängig Beschäftigte und Arbeitnehmer können zu einem Großteil nicht von ihren Arbeitseinkünften auskömmlich leben und ebensowenig für das Alter vorsorgen, so dass der Weg für mindestens die Hälfte der deutschen Haushalte in die Altersarmut vorgezeichnet ist. Somit ist auch die Kapitalversorgung der Bürger bedroht.
Das deutsche Wirtschaftssystem scheint an Haupt und Gliedern zu kränkeln. Keine Ebene der staatlichen Wirtschaftseinheiten und Zellen des Gemeinwesens ( Bund, Länder und Gemeinden, die Unternehmen und die Menschen ) sehen in der Kapitalversorgung und der Kapitalverteilung in eine national positive Zukunft. Wo das endet, zeigt uns Griechenland: Die Reichen flüchten und die Armen bleiben in Arbeitslosigkeit, Hunger und Unterversorgung zurück.
Deutschland braucht weitsichtige, vorausschauende Reformen, die die unzweifelhaft vorhandene, sich stets vergrößernde Problemdynamik „anpackt“ und bremst.
Anregungen gäbe es u.a. bei der Reform des Geld- und Bankensystems z.B. mit der Abänderung des Kreditwesengesetzes ( KWG ), das faktisch eines der letzten Monopolgesetze in Deutschland ist. Einlagen- und Kreditgeschäfte können nur Banken tätigen, die gleichzeitig den Zugang zu billigen Zentralbankgeldern haben. Das Bankengesetz KWG ursprünglich zum Schutz von Anlegern und Kapitalverkehr gedacht, ist heute ein Freiraumgesetz für manipulative und betrügerische Casino-Machenschaften ( Lehmann-Pleite, Subprime Betrügereien, Euribor-Zinsmanipulationen, Geldwäsche von internationalen Bankhäusern, flüchtende Steuerhinterziehung über Banken-Transfers, sittenwidrige Zins-Übervorteilung etc., etc., etc. Alles harte Nachrichten-Fakten aus den letzten drei Jahren !). Niemand braucht mehr den "Schutz" des KWG-Monopols.
Und im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen GWB benötigt ein schützendes Wirtschaftssystem die Entflechtung von systemrelevanten Banken, damit der „kleine Steuerzahler“ nicht abermals für Großbanken-Pleiten in dreistelliger Milliardenhöhe herhalten muss. Ein "weiches Trennbankensystem", wie es Steinbrück vorgeschlagen hat ( eine Aufspaltung von Investmentbanking und Geschäftsbanking unter einer einheitlichen Banken-Konzernholding – z.B. Deutsche Bank Holding unter einheitlicher Konzernleitung ) beseitigt das Steuerzahler-Haftungsrisiko nicht. Es kann dem Bürger mit einer Rente von z.B. Euro 1.000,- mtl. abzgl. Krankenversicherung ( 870,- netto mtl.) nicht zugemutet werden, davon eventuell noch ( faktisch ) einen Banken-Notgroschen z.B. für HRE-Pleiten abgeben zu müssen.